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Predigt am 25. Dezember 2013 ( 1. Weihnachtstag) (Vikar Knut Cramer)

Predigt

Predigt zu Gal 4,4-7 (Der Text wird später verlesen) am 2. Weihnachtstag. Der Predigt lag ferner das Bild „O Heiland reiß die Himmel auf“ von Beate Heinen zu Grunde. Es lässt sich z. B. auf folgender Homepage ansehen: http://www.gottesdienstinstitut.org/xist4c/web/Bildkarte-O-Heiland--reiss-die-Himmel-auf_id_2525__dId_25990_.htm

 

Liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

die Geburt Jesu, also der Grund unseres mehrtägigen Festes wird in der Bibel sehr unter­schiedlich geschildert.

Der Beginn des 2. Kapitels im Lukasevangelium ist uns sehr vertraut. Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde…
Diese Geschichte, die wir gerade schon gehört haben, die einige wahrscheinlich frei hersagen können, sie ist fester Bestandteil unserer Weihnachtstradition. Wir haben die Worte von den Hirten, der Engelschar, Maria, Josef und dem Jesuskind in der Krippe wieder vernommen. Auf diese Geschichte sind wir auch schon vorher auf jedem Adventsmarkt hingewiesen worden. Und gestern wurde diese bekannte Geschichte hier vorgespielt.

Die Tradition der Heiligen drei Königen ist uns auch bekannt. Wir wissen von ihr aus dem Matthäusevangelium. Aus ihm wurde höchstwahrscheinlich gestern ca. 100 Meter weiter unten gelesen. In der katholischen Kirche erklingt traditionell an Weihnachten das Matthäusevangelium, wo geschildert wird, wie die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem finden. Aus denen wurden dann die besagten Könige.

Und auch im Johannesevangelium wird von Weihnachten, der Geburt von Jesus, berichtet. „Das Wort ward Fleisch.“, dieser Versteil steht über dem heutigen Tag. Im 1. Kapitel des vierten Evangeliums lässt Johannes einen poetischen Text vom Wort Gottes erklingen. Er beginnt sein Evangelium wie das 1. Buch Mose: Am Anfang. Weihnachten hat für ihn die gleiche Bedeutung wie die Schöpfung. Bei der Schöpfung und an Weihnachten öffnet sich Gottes Welt, es entsteht etwas Neues. Ein Stück Himmel kommt auf die Erde.

Alle drei Evangelisten beschreiben die Freudenbotschaft, dass Gott zu uns kommt, auf ihre Weise. Gott ist nicht fern von einem jedem von uns. Weihnachten taucht also sehr häufig in der Bibel auf und mit ganz unterschiedlichen Worten. Die Geburt Jesu ist mit vielen Bildern verbunden und löst wiederum verschiedene Bilder in uns aus.

Auch Paulus berichtet von Weihnachten, er schreibt auf ganz eigene Weise. Er erzählt nichts und schreibt auch kein Gedicht. Für mich klingen seine Sätze, wie überhaupt seine ganzen Briefe, ein wenig abstrakt. Der eine oder andere mag bei der Lektüre an staub trockene Dogmatik denken. Ich mag die Briefe trotzdem. Sie bringen vieles eindeutig auf dem Punkt, sie benennen die Dinge. Paulus kommt der norddeutschen Klarheit entgegen.

Hören wir auf die „Weihnachtsgeschichte“ des Paulus im Galaterbrief im 4. Kapitel!

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,  damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.
Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!
So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Darüber stolpere ich. Was muss sein, dass die Zeit erfüllt ist? Im Predigerseminar in Nürnberg, meinem zweiten Ausbildungsort neben der Gemeinde, haben wir gesungen „O Heiland, reiß die Himmel auf“. Wann reißt Gott die Himmel auf? Wann fällt der Vorhang zwischen Himmel und Erde? Wann offenbart sich, was vorher verschlossen war? Wann kehrt Gott bei uns ein? Wann ist die Zeit erfüllt?

Das Bild, was sie auf ihren Plätzen gefunden haben, stammt von Beate Heinen. Es trägt eben diesen Titel „O Heiland, reiß die Himmel auf“.

Ich möchte sie auf eine Spurensuche mitnehmen. Ich möchte mit Ihnen auf Antwortsuche gehen, was es bedeutet, dass die Zeit erfüllt war. Das Bild könnte uns hier einen Antwort­versuch liefern.

Auf dem Bild ist eine Bewegung zu erkennen, von links unten nach rechts oben. Es handelt sich um eine Momentauf­nahme. Etwa 30 Personen sind in Bewegung. Was ist ihr Ziel? Warum haben sie kein Gesicht? Sind sie blind? Sie sehen nicht den Riss, der sich durch das Bild zieht. Der Himmel scheint offen, sodass Licht von oben nach unten fällt. Licht bricht sich seinen Weg wie die ersten Sonnenstrahlen am Morgen oder wie ein klarer wärmender Strahl durch eine Wolkendecke.

Die Menschenmenge aber scheint blind für diesen Strahl. Sie läuft einfach weiter. Ist ihre Zeit nicht erfüllt? Warum werden die meisten nicht angesprochen? Das Kind ist zu Maria und Josef gekommen. Sie sind berührt worden. Als die Zeit erfüllt war, hat eine Frau, Maria, das Kind geboren. Für Paulus ist die Person gar nicht entscheidend. Er nennt ihren Namen nicht. Für ihn ist wichtig, dass das Kind in unsere Welt gekommen ist, in eine Welt unter dem Gesetz.

Das Gesetz ermöglicht laut Paulus den Glauben nicht, sondern verdunkelt die Welt. Es zeigt uns Dunkelheit, Beklemmung, eine Last, die Sünde auf, nicht aber den Weg aus all dem heraus. Das Gesetz klagt uns an. Es bringt kein Heil. Paulus hinterfragt sogar seine göttliche Herkunft. Der Sohn Gottes hat das Gesetz zu spüren bekommen. Der Apostel sagt hier also, Christus hat diese Welt kennengelernt. Er hat das Dunkel kennengelernt, die Eintönigkeit und die Schwere des Lebens. Jesus konnte wie einige Dichter im 16. Jahrhundert auch von einem Jammertal sprechen. Ihn jammerte der Unglaube der Menschen. Zeigen sich dieser Unglaube und die Schwere auf dem Bild von Heinen in der Menschenmenge?

Das Bild von Heinen ist überwiegend mit dunklen Farben gemalt. Violet, weder blau wie der Himmel, noch rot wie die Sonne, sondern eine trübe Mischung. Es passt irgendwie auch in die kühle und trübe Jahreszeit und auch zur Weltwahrnehmung des Paulus.

Wir sehen aber in der Mitte noch etwas anderes: Der Lichtstrahl, der ins Dunkel hinein bricht. Er macht einen Flecken hell. Dort sehen wir das Jesuskind: Christus - das Licht selbst. Wir sehen ihn, den die wandernde Menge nicht sieht. Ist für die Menschen um ihn herum die Zeit, die Erleuchtung nicht gekommen? Können sie Weihnachten nicht feiern? So scheint, Heinen sie gezeichnet zu haben. Sie sehen Jesus nicht. Sie laufen an Maria, Josef und dem Kind vorbei. Der Riss, der offene Himmel, irritiert sie nicht.

Wir aber feiern, dass Jesus gekommen ist. Christus ist erschienen. Er hat selbst den Himmel geöffnet, hat ihn verlassen und ist auf die Erde gekommen. Damit gibt es tatsächlich ein Stück Himmel auf Erden.

Paulus spricht davon, dass die Gemeinden in Galatien durch andere Missionare von Jesus angesprochen wurden. Weil die Glieder zu Christus gehören, haben sie seinen Geist empfangen und dürfen sich nun Kinder Gottes nennen. Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes, jeder Christ ist Kind Gottes. Für Paulus besteht hier ein klarer Unterschied. Er sagt den Galatern nicht nur zu Geschöpfe Gottes zu sein, sondern auch Kinder Gottes zu sein.

Als Christen werden auch wir heute als Kinder Gottes angesprochen. Für uns hat sich der Himmel geöffnet. Jesus hat unser Leben erleuchtet. Diese Erleuchtung feiern wir schon mit der Taufe. Die Taufe ist das persönliche Weihnachten, weil wir uns in der Taufe durch Gott für sein Reich in Anspruch nehmen lassen. Wir feiern sowohl Weihnachten als auch in der Taufe eine Begegnung mit Gott. Gott hat für uns den Himmel aufgerissen. Gott ist uns zu gekommen. Durch Taufe und Glaube ist er in unser Herz aufgenommen worden und Weih­nachten ist Gott von der Welt aufgenommen worden. Die Zeit war erfüllt, denn Gott ist in seine Schöpfung hineingegangen. Gott selbst hat die Zeit erfüllt.

Aber gerade in der Adventszeit habe ich Gott nicht immer gefühlt. Ich habe gerade die Adventszeit nicht immer als erfüllte, sondern auch als eine hektische Zeit wahrgenommen. Ich bin einfach mit der Menschenmenge gegangen. Ich habe mich treiben lassen, von links unten nach rechts oben. Gebückt und matt bin ich an vielen vorbei gelaufen. Auf den Weih­nachtsmärkten habe ich mich treiben lassen, mich hat häufig gar nicht interessiert, was um mich herum geschah. Manchmal ist mir das eine oder andere noch aufgefallen: Demon­stranten auf der Straße, der Stand, der Spenden für ein Projekt in Tansania gesammelt hat oder einen Bettler. Ich habe alles in Würzburg gesehen. Gehandelt habe ich nicht. Ich habe mich nicht mit den Demonstranten unterhalten, obwohl ich ihr Anliegen auf den Plakaten gut nachvollziehen konnte. Ich habe nichts gegeben, weder für den Bettler noch für das Tansaniaprojekt.

Christus ist auf die Welt gekommen, um uns zu erlösen, uns seinen Geist zu senden und uns zu Kindern Gottes zu erklären. So schrieb Paulus den Gemeinden in Galatien und auch uns betrifft dieser Brief. Ein Kind Gottes, ist nicht mehr vom Dunkel der Welt betroffen. Es lässt sich nicht mehr von der Masse treiben. Im Gegenteil, es lässt sich vom Licht des Himmels berühren. Ein Kind Gottes empfängt Wärme.

Ein Kind braucht aber auch Zuwendung und Schutz. Darum sehen wir, wie Maria auf dem Bild das Kind umsorgend festhält. Als Kind Gottes nehme ich Jesus als Licht wahr. Ich kann mit Paulus zu Gott rufen: Abba, lieber Vater. Ich kann mich zu Gott wenden. Ich darf mir von Gott dienen lassen und mich beschenken lassen. Um mit den Worten des Paulus zu sprechen: Gott beerbt mich.

Josef in dem Bild steht halb im Licht. Einerseits von dem Licht erfasst, aber er steht auch fest in der Welt unter dem Gesetz. Er scheint rechts fast dunkler als die Menschen um ihn herum. Sein Mantel ist braun, die Menschen um ihn herum sind violett, rot oder blau. Sie unterschei­den sich noch einmal. Er ist ganz nahe bei Christus, aber doch nicht in dem Sinne von Chris­tus ergriffen wie Maria, obwohl seine Hände das Jesuskind mitumklammern. Er umarmt Maria mit dem Kind.

Ich kann mich gut mit Josef identifizieren, ich nehme auch die Schattenseiten der Welt war. Das Wetter schlägt manchmal auf mein Gemüt, löst eine gewisse Matte und Trägheit aus. Ich kenne wie wahrscheinlich alle hier Trauer, Schmerzen und auch den Verlust lieber Menschen durch den Tod, an die wir häufig gerade an Weihnachten denken. Die Welt ist noch nicht völ­lig erlöst. Wir befinden uns noch wie die Menschen in Galatien in einer Welt voller Dunkel­heit und Traurigkeit. Es gibt die Menschen, die gezwungen sind zu betteln. Es gibt soziale Ungerechtigkeit, wogegen es sich lohnt zu demonstrieren. Es gibt die Masse, die einfach von links unten nach rechts oben läuft, ohne sich anrühren zu lassen.

Dann aber lasse ich mich auch wieder vom Jesuskind ansprechen. Manchmal fühle ich mich aber ganz nahe beim Jesuskind wie Josef. Der Himmel bricht immer wieder in meine Welt hinein. Manchmal bin ich ganz nahe bei Gott, z. B. wenn ich große Dankbarkeit empfinde. Wenn mich ein Freund nach Monaten mal wieder anruft, von dem ich lange nichts mehr gehört habe. Sorgen haben mich schon umgeben, nun aber hat er sich gemeldet. Wir haben uns ausgetauscht und es geht ihm gut. Eine solche Dankbarkeit bringe ich dann auch in ein Gebet vor Gott. Dann verspüre ich Wärme, ein Gefühl des Wohlseins. Ich spüre, dass sich jemand um mich kümmert. Dann ist für mich ein Moment gekommen, an dem der Himmel aufgebrochen ist.

Der Himmel bricht Weihnachten auf, weil Gott sich klein gemacht hat. So klein, dass er den Schutz anderer gebrauchte. Das Jesuskind hat den Schutz der Eltern gebraucht. Alle wollen das Kind sehen, die Hirten, die Weisen aus dem Morgenland. Wer aber sorgt für das Kind? Maria umgreift es. Sie zeigt ihr Kind und schützt es zugleich. Sie hat es in Windeln gewickelt. Sie ist ganz für das Kleine dar. Sie weiß um den Schatz, den sie in ihren Armen hält. Ob sie wohl von Anfang an verstanden hat, wen sie da geboren hat? Er wird Heiland, Erlöser, Christus, das Wort Gottes, Friedefürst gerufen. Ein Kind, was die ganze Welt erleuchten sollte! Der Mensch, der als erster von den Toten auferstehen sollte. Damals riss der Himmel wieder auf. Der Tod war überwunden. Die Kreuzigung konnte gedeutet werden.

Weihnachten feiern wir zwar die Geburt Jesu, einen Aufriss des Himmels, aber Weihnachten kann nicht ohne die Kreuzigung und die Auferstehung verstanden werden. Eigentlich müsste man hier eine zweite Predigt anschließen, um mit der Auferstehung zu erklären, wer dieses Kind ist. Der Predigtabschnitt zeigt uns, Paulus hatte nicht nur die Geburt im Blick.

Heute will ich bei Weihnachten stehen bleiben; ich bleibe mit offenen Erwartungen und Dank­barkeit beim Kind stehen und frage, was wird werden. Ich bleibe bei diesem Aufriss des Himmels! Mit Christus ist ein Stück Himmel auf Erden, auf der Erde, die manchmal ein Jammertal ist. Hier hinein ist das Jesuskind geboren worden und hat sich seine Kirche, Geist­träger, Erben Gottes gesucht. Jesu hat uns bereits angerührt. Er hat den Himmel aufgerissen. Er hat uns zu Kindern Gottes erkoren, wenn das kein Grund zum Feiern ist. Maria feierte, indem sie alle Worte der Menschen, die das Kind besuchten, in ihrem Herzen behielt. Heute ist die Zeit erfüllt, zu feiern und wie Maria über das Kind nachzusinnen! Gott ist in Christus zu uns gekommen!

Darum lasst uns nun singen:

Nun freuet euch, ihr Christen, singet Jubellieder und kommet, o kommet nach Bethlehem. Christus der Heiland stieg zu uns her nieder.

Amen.


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