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Palmsonntag 2003: Konfirmation (Vikarin Kerstin Voges)

Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

stellt Euch vor, ihr wärt auf einer Party und jemand würde zu euch sagen: Also ich finde Eltern und Lehrer und Pfarrer haben immer recht. Sie haben mehr Lebenserfahrung und deshalb sollte man einfach grundsätzlich auf sie hören. Wirklich, ich finde sie haben immer recht.

Die Person, die das sagen würde, wäre in Eurem Alter, ganz normal angezogen, nicht irgendwie auffallend. Wie würdet ihr reagieren?

Würdet Ihr mit einem "Ach ja?" antworten und darauf setzen, dass sich das Ganze in den nächsten Minuten als ein Scherz erweist?

Würdet ihr versuchen das Gespräch möglichst schnell zu beenden: Das ist ja schön für Dich, aber ich sehe das anders und ach übrigens, ich wollte mir gerade etwas zu trinken holen?

Oder würdet ihr eher die diplomatische Variante wählen: Das war jetzt sehr einseitig, ich vermute, du meinst das nicht so, sondern willst eigentlich nur sagen, dass es manchmal Sinn machen kann auf Eltern und Lehrer zu hören.

Wie würdet ihr reagieren?

Viele von euch wären, vermute ich, zunächst einmal einfach verblüfft und das übrige wäre dann eine Frage von Laune und Charakter.

Würde der- und diejenige seine bzw. ihre Aussage ernst meinen, könntet ihr wahrscheinlich nicht viel mit ihm oder ihr anfangen. Eltern, Lehrer und Pfarrer, die immer recht haben, das war vielleicht einmal so - inzwischen seid ihr den Kinderschuhen längst entwachsen und habt Euren eigenen Kopf, eure Ideen, Eure Vorstellungen.

Schon längst habt ihr Euren eigenen Kopf: Ihr macht euch Eure Gedanken über das, was ihr in der Schule lernt, über das was ihr zu Hause hört, über das, was ihr in Zeitungen und Medien erfahrt und über das, was in der Kirche gesagt wird.

Schon längst habt ihr eigene Ideen: Ihr entwickelt Vorstellungen davon, wie Ihr Euer Leben in den nächsten Jahren gestalten wollt und auch davon, was auf dieser Erde anders werden müßte, damit Menschen besser und friedlicher zusammenleben können. Ihr wisst, was Euch gefällt, was in und was hipp ist und was ihr gerne macht. Ihr denkt eigenständig und auf Eure Weise und ihr handelt entsprechend: Ihr arbeitet in der Schülerzeitung mit und geht zu Friedenskundgebungen, ihr interessiert Euch für Streitschlichterprogramme und informiert Euch über Aids, über Umweltschutz und anderes.

Schon längst habt Ihr Euren eigenen Kopf und weil das so ist, stimmt ihr Eltern, Lehrern, Pfarrern und auch einer Vikarin nicht mehr einfach so zu: Nicht in den kleinen Dingen und auch nicht in den großen Fragen.

Mir klingen sie noch in den Ohren Eure "Ja aber, Frau Voges", die mal von einzelnen kamen und mal als vielstimmiger Chor ertönten. Manchmal ging es dabei um ganz praktische Fragen, wie Gruppenaufteilungen oder Auswendiglernen, immer wieder tauchte dieses "Ja aber" auch dann auf, wenn ihr kritisch nachgefragt habt. "Ja , aber" das waren vielfach die Momente im Unterricht, wo sich etwas bewegt hat, wo es Euch interessiert hat und ihr es wissen wolltet. Ich denke z. B. an unsere letzte Konfirmandenunterrichtstunde zurück , (in der es um Beichte ging.) "Das Beichtgeheimnis des Pfarrers - schön und gut. Aber was ist, wenn jemand kommt und einen geplanten Mord beichtet?" - Ja, aber: Fragen die es in sich hatten, Fragen die uns weiterführten.

Fragen, Ideen, der eigene Kopf- ich möchte Euch gerne eine biblische Geschichte dazu erzählen. Der Evangelist Johannes schreibt in seinem ersten Kapitel:

Philippus findet Nathanael und sagt zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz geschrieben hat und den auch die Propheten angekündigt haben. Es ist Jesus aus Nazareth, ein Sohn Josephs. Was kann aus Nazareth Gutes kommen? fragt Nathanael. Komm und sieh sagt Philippus. Als Jesus Nathanael kommen sah, sagte er: Da kommt ein wahrer Israelit, ein Mann ohne Falschheit. Nathanael fragt ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete: Schon bevor Phlippus dich aufforderte mitzukommen, sah ich dich unter dem Feigenbaum.

Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel, antwortete Nathanael ihm. Daraufhin sagte Jesus: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum: du wirst noch Größeres als das sehen.

Philippus, Nathanel, Jesus - ich weiß nicht, an welcher Stelle dieser Erzählung ihr aufgemerkt habt. Meine Sympathie flog rasch einem in dieser Erzählung zu: Nathanael.

Was kann aus Nazareth Gutes kommen? Nathanael hat seine Vorstellungen, für ihn ist klar: Aus Nazareth kommt nicht Gutes. Klingt beinahe wie ein Vorurteil, aber vielleicht vertritt Nathanel auch eine begründbare Position, (es kann offen bleiben). Viel interessanter erscheint mir: Nathanel sieht etwas anders als Philippus und er stimmt ihm deshalb nicht einfach zu. Nathanel fragt zurück. Er spricht es vielleicht nicht aus, das "Ja aber", aber es ist ihm lebendig: (Schön und gut Philippus, aber ....) Nathanael äußert, was er denkt, bringt seine Meinung an.

Woher kennst du mich? Auch Jesus gegenüber streicht Nathanel so schnell nicht die Segel. Er ist skeptisch und er zeigt es. Woher kennst du mich?

Und Jesus? Es scheint ihn nicht zu stören, dass Nathanel nachfragt, - er erklärt, ist freundlich. Am Ende bekommt Nathanael sogar ein Versprechen: Du wirst noch Größeres als das sehen. So wird es dann möglich, dass Nathanel Jesus glaubt und an ihn glaubt: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel.

Heute ist der Tag eurer Konfirmation. Es geht dabei um etwas Ähnliches wie bei Nathanael: Konfirmation , das kommt vom lateinischen Wort "confirmare" - bekräftigen. Es geht ums Ja- Sagen: Ja ich glaube an Jesus Christus, glaube, dass er ein Mensch und mehr als ein Mensch war, nämlich Gottes Sohn.

Nathanel er durfte nachfragen und Skepsis zum Ausdruck bringen.

Daran könnt ihr denken, wenn ihr nachher Euer Ja sprecht: Jesus sind sie willkommen, die Menschen, die so ehrlich sind, dass in ihrem "Ja", ein "Aber" mitschwingt, die Menschen, die sich auseinandersetzen wollen, nachdenken und nachfragen.

So ist die Erzählung von Nathanael eine Einladung: Sein Ja zu sprechen "Ja, ich glaube an Jesus Christus. Er ist Gottes Sohn" und dabei zu wissen: Wann immer ich ein "Aber" in meinem Herzen verspüre, darf auch dies sein.

Vorne auf dem Liedblatt für den heutigen Tag findet sich eine Taube. Ein Symbol für Frieden, ein Symbol aber auch für Freiheit. An diesem Tag kann sie daran erinnern. Wir dürfen Gottes Kinder sein, ohne deshalb Kinder bleiben zu müssen. Unser eigener Kopf, unsere Vorstellungen und Ideen, unser Nachdenken und unsere Fragen sie sind Gott willkommen.

Das "Ja" und das "Aber", sie gehören oft zusammen.

In der Freiheit die Gott uns schenkt, finden sie gemeinsam Platz.

Ja aber? - Ja, Amen.


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