Zurück zur Homepage   Schreiben Sie uns eine mail!  

 

Zurück zur Übersicht "Predigten"
Zur Konfirmation am Palmsonntag 2002: 1. Mose 9,12-16
(Pfarrer Peter Fuchs)

Liebe Konfirmanden,

wenn jemand sagt: " Es gibt für mich eine Clique, da gehöre ich fest dazu. Es gibt da einige Leute, die kenne ich ganz gut . Wir sind eine Clique und da gehöre ich fest dazu", wie empfindet ihr das? Wie klingt das für euch --- eher nach Stärke oder nach Schwäche? Eher interessant, cool , beneidenswert oder eher zum Bedauern?

Vielleicht würden viele von euch sagen : "Kommt ganz darauf an. Das lässt sich nicht so allgemein sagen."

Kommt ganz darauf an: Was für Typen sind diese anderen? Wieviel Freiheit bleibt? Passt das wenn ich auch mal sage: heuteabend geh ich mit einer Freundin in ein Konzert oder heute abend bin ich mit einem Cousin bei einem Basketballspiel?

Wieviel Freiheit bleibt? Ist es so, dass ich auch noch ich selbst bleibe? Ich will nichts vorgeschrieben bekommen. Wird in der Clique Musik zensiert? Gibt es genaue Vorstellungen, wie Turnschuhe zugebunden werden oder auch offen gelassen werden? Kann ich kommen und gehen ohne dass irgendwie Druck gemacht wird?

Also bei einer Clique kommt es sicher auf einiges darauf an: Dass Leute nicht überheblich sind : "Was du bist, bist du doch nur durch uns und überhaupt durch die Clique." Es wäre schon besser zu hören: "Als du das letzte mal nicht konntest, da hast du uns irgendwie gefehlt".

Also insgesamt ist es wohl so, dass es schon ein bißchen ein Wagnis oder so etwas wie ein Risiko ist , zu sagen "ich gehöre fest zu einer Clique". Es muss schon einiges gut passen. Man setzt selbst auch etwas aufs Spiel.

Andererseits: Zu einer Gruppe, zu anderen Typen dazu zu gehören bedeutet auch so etwas wie Freiheit, nämlich es gibt einige Chancen: etwas zu unternehmen, los zu machen, zu erleben, was allein so nicht möglich wäre. Auch sich selbst durch andere noch näher kennenzulernen.

Ich hoffe ihr konntet auch in der Konfirmandenzeit solche Erfahrungen machen, auch als bunt zusammengewürfelte Gruppe, die sich ja eigentlich nicht selbst ausgesucht hat, sondern durch die Konfirmandenzeit zusammengekommen ist. Außer dem Unterricht waren wir auf zwei Wochenendfreizeiten. Ich weiß nicht, was euch besonders in Erinnerung bleiben wird: Zusammen Musik hören, ein Spiel zu Kaffeehandel, Stockbrot am Kaminfeuer, Mumienwickeln, eine Nachtwanderung am See, Gottesdienst feiern, Kerzenlicht, einige Gedanken von älteren Jugendlichen, vielleicht die Wanderung zu einem Felsenlabyrinth, vielleicht einmal das gemeinsame Beten an einem der Mittwochnachmittage miteinander in der Runde um den Altar.

Vielleicht bleiben euch die Unterrichtspausen am Kicker in besonderer Erinnerung, vielleicht auch die größere Kochaktion an einem Samstagabend vor zwei Wochen und dazu das Gefühl, für andere, die in Not oder Gefahr sind, ein bißchen etwas tun und bewirken zu können.

Ihr habt füreinander Taufkerzen gebastelt. Und es gab noch etwas Besonderes, die Idee einer Jugendtreff-Mitarbeiterin, also von Anna-Lena: Im Gottesdienst auf der letzten Freizeit haben wir nach einer biblischen Taufgeschichte schließlich füreinander aufgeschrieben, was wir bei den anderen gut finden, was uns beeindruckt . Jeder konnte am Schluss "sein" Blatt mit guten Kommentaren, guten persönlichen Gedanken von all den anderen mitnehmen. Es war gerade das Wochenende, an dem es auch die Schulzwischenzeugnisse gegeben hatte. Für jeden gab es so etwas wie ein Zeugnis besonderer Art. Keiner hätte es sich selbst schreiben können.

Zu einer Gruppe dazuzugehören bedeutet ein Stück Freiheit. Die Freiheit, die Chance, Erlebnisse zu haben, die ich alleine nicht hätte. So ist es auch für mich selbst als Pfarrer, auch diesmal in der Konfirmandenzeit. Es ist immer auch ein Wagnis, sich auf andere einzulassen.

So ein Wagnis gehört auch zu unserem Glauben Da ist auch Entschlossenheit ganz wichtig, sich auf Gott einzulassen - und zu sagen: "Ja, Gott bedeutet mir eine Menge, ich gehöre zu ihm." Er selbst hat sich auch geäußert und Zeichen gegeben. Gott selbst will auch nicht ohne uns sein. Er sagt nicht: "Ich würde ohne euch auch gut zurecht kommen." Nein, er hat es offen eingestanden, dass wir ihm viel bedeuten. Er ist dafür sogar Mensch geworden und bis zum Kreuz gegangen. Er wollte nicht für sich alleine Gott sein, sondern seine Liebe zeigen und auch geliebt werden.

Er hat gesagt , er will mit uns so etwas wie einen "Bund" schließen, einen "Bund" , der sagt "wir gehören zusammen". Gott hat dafür auch sichtbare Zeichen gewählt: das Kreuz, die Taufe mit Wasser und zuvor - schon sehr bald - den Regenbogen.

Eines dieser Zeichen will ich herausgreifen : den Regenbogen Der Regenbogen ist ein ganz altes , ein ganz frühes Zeichen eines Bundes von Gott mit seinen Menschen. Er gehört zur Geschichte von Noah. Und in dieser Geschichte gibt Gott am Ende, als sein Regenbogen am Himmel steht eine Zusage. Ich lese sie vor aus dem 1.Buch Mose, Kapitel 9 , die Verse 12-16:

Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.
Und wenn es kommt, daß ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.
Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, daß hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe.
Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, daß ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist.

Es gibt zu diesem Wort und der dazugehörigen Szene ein Bild von Marc Chagall . Sie finden es auf der Titelseite unseres heutigen Gottesdienstblattes. Das Bild ist eine ganz schlichte Tuschezeichnung. Sie wirkt vielleicht im ersten Moment unfertig. Doch es scheint mir, Marc Chagall hat sich hier viel überlegt . Würde man versuchen , das Bild weiter zu zeichnen, es würde vermutlich an Spannung verlieren. Ich mag dieses Bild, denn ich finde, Chagall hat hier gut ausgedrückt, wie denn die Beziehung zu Gott und seine Beziehung zu mir sein kann. Die Anordnung des Bildes ergibt einen Kreis. Zu dem Kreis gehören der Regenbogen mit dem Engel, ein Strauch und Noah.

Gleichzeitig merkt man auch den Abstand von Himmel und Erde. Noah hat hier seinen Platz auf der Erde, für sich, unbedrängt, in Ruhe. Er kann so sein wie er ist: hier‚ mal durchhängend, ruhebedürftig, zuvor in seiner Geschichte auch sehr in Aktion, hartnäckig, vertrauensvoll, kämpferisch. Auf dem Bild hat er einen guten Platz für sich gefunden.

Und das Wichtigste für mich bei diesem Bild: Der Kreis hat eine Öffnung. Ein ganz starkes Zeichen für Freiheit. Vorhin, am Anfang bei den Gedanken zu einer Clique, habe ich vermutet: Es kommt immer auf einiges an. Ob Freiheit bleibt. Auch ob andere mich wie ich bin wichtig nehmen. Oder ob sie mich spüren lassen: 'Was du bist bist du nur durch uns.' Wie ist das bei Gott? Immerhin ist er der Schöpfer - meiner, und der unserer Welt. Sieht ja nach sehr einseitiger Beziehung aus. Bei näherem Nachdenken "nein" . Wie gesagt, er will nicht ohne uns sein. Wir bedeuten ihm viel. Aber es gibt kein Bedrängen. Der Kreis auf dem Bild hat eine Öffnung , ein Zeichen für Freiheit. Noah hat einen guten Platz bei Gott, wo er gerne ist und er hat gleichzeitig alle Freiheit. So ist das Bild von Chagall eine Einladung , zu sagen: "Ja, zu Gott zu gehören, das wünsche ich mir für mich auch."

Amen.


Zur Übersicht Predigten
Zum Seitenanfang.


© Copyright für Text und alle Bilder by Ev.-Luth. Kirchengemeinde Eisingen-Kist-Waldbrunn
Am Molkenbrünnlein 10, D-97249 Eisingen