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Auftaktgottesdienst für die neuen Konfirmanden
Zu Psalm 42,2 und Lukas 16,19-31, sowie dem Song "Another day in paradise"
(Pfarrer Peter Fuchs)

Liebe Jugendliche,

für Euer Miteinander in der Konfirmandenzeit, für unsere Freizeit am nächsten Wochenende wünsche ich Euch, dass ihr so sein könnt wie ihr seid. Dass ihr rauslassen könnt wie es euch geht, dass ihr nichts herunterschlucken braucht. Dass ihr ihr selbst sein könnt, wenn ihr gut drauf seid und genauso wenn ihr traurig seid oder genervt. Keiner soll für etwas belächelt werden.

Jeder ist wieder ein anderer Typ. Vielleicht ist jemand gerade total sportbegeistert oder jemand träumt gern von der Liebe. -- Es gibt auch Zeiten mit Kummer. Vielleicht ist jemand mal wegen einer Enttäuschung geknickt . Dann ist das so ; dann soll sich diejenige oder derjenige nicht verstellen brauchen. - Es würde mich freuen, wenn ihr spürt : "Ich kann hier so sein wie ich bin".

Vor ein paar Wochen hab ich einen Song im Radio gehört, da hat mich schon der Titel etwas nachdenklich gemacht: "Baby don't cry" von Samer Nassif. Den Songtext kenn' ich leider nicht. Bei dem Titel "Baby don't cry", "Kind, schrei nicht", hab ich das Gefühl, jemand will in jedem Fall seine Ruhe: " Kind, vergiss es, schluck's runter , schön ruhig bleiben, verschon' mich bitte mit deinen Problemen." Wenn es so gemeint ist, dann ist es hart, also diese Aufforderung, doch schön den Mund zu halten.

Ich hab mich gefragt ob viele Songs im Moment in diese Richtung gehen. Dann bin ich auf einen Song gestoßen: "Sister" von Girlscamp (CD Bravo Hits 32). Da heißt es : "Sister don't whisper, shout it out...". Also genau das Gegenteil: "Schwester, flüster nicht, schrei es heraus ..."

In den Geschichten der Bibel und in den Liedern der Bibel gibt es das ganz oft, dass jemand aufschreit, da ist es nicht das höchste Ziel, dass immer Ruhe bewahrt wird. In der Bibel gibt es Schrei nach Leben, Schrei nach Hilfe, Schrei aus einer ungeklärten Sehnsucht heraus. Wie in dem Psalmwort: "Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele Gott zu dir." In der Bibel ist allein in den Psalmen mehr als 20 mal vom Schreien zu Gott die Rede. Das Schreien wird nicht abgewürgt, nicht verurteilt. Für Gott ist das Aufschreien ein Zeichen von Vertrauen: Vertrauen, dass Gott in meinem Leben und in dieser Welt etwas verändern kann.

Immer wieder kommt in den Psalmen ein Grundgedanke - so in Psalm 72,12: "Er wird den Armen erretten, der um Hilfe schreit." Und es gibt immer wieder die Bitte: "Höre, Gott, mein Schreien "( Ps 61,2). Jesus hat eine Geschichte erzählt, in der viel Sympathie für jemanden steckt, der in seiner Not, in seiner Sehnsucht nach Leben , aufschreit. Wir haben die biblische Erzählung bereits als Evangelienlesung gehört: Die Beispielgeschichte "Vom reichen Mann und dem armen Lazarus".

Diese Geschichte taucht auch in einem aktuellen Popsong auf. Hier wird von einer Frau erzählt, die in einer Not ist, in der Bibel von einem Mann, Lazarus. Hören wir mal hinein. Text und Musik stammen ursprünglich von Phil Collins. Die neue aktuelle Version ist von Brandy and Ray (CD Bravo Hits 33) : "Another day in paradise".

Das Lied selbst ist wie ein Aufschrei. Ein Aufschrei, einmal nachzudenken, dass das Leben doch nicht aufgeht, wenn ich nur an meine eigene Haut denke. Dass das Leben doch mehr ist, als immer nur für sich Sachen an Land zu ziehen, den eigenen Vorteil zu suchen. Das Problem des wohlhabenden Mannes im Lied und in der biblischen Beispielerzählung war nicht so sehr sein Geld, sondern dass er es nicht für nötig hielt, die Not des anderen , oder der anderen, zu sehen. Er wollte sich nicht davon berühren lassen.

Phil Collins drückt das in seinem Lied gut aus: "Er (- der reiche Mann-) läuft weiter, schaut nicht zurück, er tut so, als könnte er sie nicht hören, beginnt zu pfeifen als er die Straße überquert, es scheint ihm peinlich, dort zu sein."

Der Reiche wird nicht als Betrüger, nicht als Krimineller, dargestellt. Es ist gerade seine harmlos wirkende Gleichgültigkeit, die schlimm ist. Er übersieht den Armen, den er auf der Schwelle seines Hauses doch sehen müßte. In seiner Ichbezogenheit lebt er dabei auch an Gott selbst vorbei. Und er ist es, der zum wahrhaft Armen wird.

Dazu noch eine Geschichte: Jemand träumte, er werde von einem Heiligen durch die Räume des Jenseits geführt. In einem Raum brennt ein Kohlenfeuer, ein Kessel voller Essen duftet darüber, die Menschen im Raum aber schreien vor Hunger. Jeder hat einen langen, langen Löffel in der Hand, der mit der Hand untrennbar verbunden ist, - so lang, dass er nicht zum Mund zu führen ist. Das Essen vor Augen verhungern die Menschen. "Das" , sagte der Heilige, "ist die Hölle. Jeder denkt nur an sich." Der Besucher wird weitergeführt, in einen anderen Raum, ähnlich eingerichtet. Auch hier haben die Menschen die langen Löffel in den Händen. Aber sie geben sich damit gegenseitig zu essen. So wird jeder satt. "das hier", sagt der Heilige "ist der Himmel".

"Himmel" - das ist der Ort, wo einer den anderen im Blick hat, wo keiner achtlos übersehen wird.

Liebe Jugendliche, ihr könnt euch helfen, dass jeder so sein kann wie er möchte. Dazu gehört, aufmerksam zu sein, wie es dem anderen gerade geht. Auch ganz praktisch den anderen mit Vornamen ansprechen, Äußerungen einer anderen stehen lassen, nicht gleich kommentieren, hören, was der andere sagt und ihn so ernst nehmen wie ich selbst auch ernst genommen werden möchte.

Wenn das in der Konfirmandenzeit geschieht , beim Unterricht und auf den Freizeiten, dann wird es eine gute gemeinsame Zeit. Und dann kann auch Glaube, Gottvertrauen, sich weiterentwickeln.

Amen.

 

 


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