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Zurück zur Übersicht "Predigten"Pfarrer Peter Fuchs: 2. Korintherbrief 6, 1-10 (Sonntag Invocavit, 4. März 2001)

Als Mitarbeiter aber ermahnen wir euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.
Denn er spricht: «Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen.» Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!
Und wir geben in nichts irgendeinen Anstoß, damit unser Amt nicht verlästert werde;
sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten,
in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten,
in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im heiligen Geist, in ungefärbter Liebe,
in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken,
in Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als Verführer und doch wahrhaftig;
als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht getötet;
als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben, und doch alles haben.

2. Kor. 6, 1-10

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und lieber Leser,

diese Worte des Paulus sind nicht gerade bescheiden. Während ich sie höre denke ich mir erst einmal: Wenn ich das doch auch so sagen könnte!

"Wir geben ihnen nicht einen Anstoss, sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: In großer Geduld, in Trübsal, in Ängsten (...), in Mühen, in Wachen, im Fasten, in Freundlichkeit, in ungefärbter Liebe (...)."

So lobt sich also Paulus selbst und das nicht wenig. Selbstlose Worte sind das. Aber das trifft es noch nicht einmal ganz. Richtig selbst zufrieden wirkt seine Selbstdarstellung. Aber das ist doch der gleiche Paulus der etwa auch im Römerbrief schreibt:

"Wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten und werden gerecht aus Glauben."

Was veranlaßt Paulus zu der ungewöhnlichen und überraschenden Selbstdarstellung im 2. Korintherbrief?

Blickt man noch weiter in den Brief so erfährt man: Es ist die besondere Situation in Korinth. Paulus ist in Bedrängnis geraten. Um wortgewandte Leute hatte sich eine größere Gruppe gebildet, die Paulus kritisierten und sein Apostelamt in Frage stellten: Sein Auftreten sei nicht das eines Apostels und er sei auch kein echter Zeitzeuge aus den Lebenstagen Jesu, er sei nicht Begleiter Jesu wie andere Apostel gewesen.

Diese Gruppe von Leuten hat ihm sehr zugesetzt. Hätte es schon Medien wie in unseren Tagen gegeben, das Bild des Paulus wäre in einigen maßgeblichen Zeitungen erschienen, dazu eine einfache gekonnte Unterstellung

"Paulus erwägt wegen zweifelhafter Vergangenheit Rücktritt"

- und Paulus wäre nicht mehr zu halten gewesen.

Nun unsere Medien gab es noch nicht. So hatte Paulus vergleichsweise eher als heute die Chance, etwas auf die Anfeindungen zu erwidern, sie zu widerlegen und wirkungslos werden zu lassen. Deshalb also seine unbescheidene Selbstdarstellung.

Paulus läßt sich nicht kleinkriegen, läßt sich nicht nötigen, sein Licht unter einen Scheffel zu stellen. Er steht zu seinem Dienst. - Es ist sowieso klar, dass es kein Vollkommener ist. Deshalb verzichtet er auch auf abwertende Einschränkungen, die ihm wieder zum Nachteil ausgelegt werden könnten.

Eine Stärke die er selbst an sich erkennt ist seine Leidensbereitschaft. Gerade in seinem Leiden erfahre er sich als Diener, als Apostel Gottes.

Paulus konnte sich noch einmal zu Wehr setzen und seine Kontrahenten zum Schweigen bringen. Es ist offenbar wieder Ruhe in Korinth eingekehrt. Spurlos ist es an Paulus nicht vorüber gegangen. Kapitel 2, Vers 4 können wir lesen: "Ich schrieb euch aus großer Trübsal und Angst des Herzens unter vielen Tränen; nicht damit ihr betrübt werden sollt, sondern damit ihr die Liebe erkennt, die ich habe besonders zu euch."

Schließlich blickt er wieder nach vorne: Paulus erinnert und ermahnt: "Jetzt ist die Zeit der Gnade." Ohne Sorge um sich selbst und zugleich doch seiner selbst bewußt will Paulus in der Gegenwart leben und da seinen Dienst tun.

Seine Worte aus dem 6. Kapitel des Korintherbriefes die wir gehört haben sind heute am 1. Sonntag der Passionszeit Predigtwort.

So will ich fragen: Welche Botschaft kann dieses Wort für uns im Blick auf die Passionszeit haben?

Ein besonderes Feld der Bewährung sieht Paulus im Leiden. Gerade in der Vielzahl seiner Bedrängnisse treten für ihn die Kräfte und Gaben hervor, durch die er sich als Apostel als Diener Gottes bestätigt weiß. Seine Worte können für uns Anstoss sein, nach dem Sinn von Leidensbereitschaft zu fragen. Sie können Anstoss sein, uns in Leidensbereitschaft zu üben.

"Leidensbereitschaft" - was ist das für eine Bereitschaft? Ist es ein Bemühen, irgendwann unberührt über Schmerz und Leid zu stehen? Das kann es nicht sein, denn das läßt sich auch gar nicht willentlich erreichen. Ist eine Haltung gemeint, die immer für den nächsten Moment mit Leiderfahrung, mit einem Schicksalsschlag rechnet und sich darauf einstellt? Da käme ja ein trostloses, ängstliches Leben heraus.

Schon Jesus selbst erklärt in der Bergpredigt:

"Schaut die Blumen auf dem Felde an wie sie Gott mit großer Pracht kleidet, darum sorgt euch nicht um euer Leben. Sorgt nicht um morgen."

Vielleicht ist Leidensbereitschaft eine Haltung, die damit rechnet, dass im Leid ein besonderer Sinn verborgen sein kann. Dazu eine kurze Geschichte:

"Ein Mensch konnte nichts Schönes und Gesundes sehen. Als er in einer Oase einen jungen Palmbaum in bestem Wuchs fand, nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem hämischen Lachen ging er weiter. Aber die Palme versuchte die Last abzuwerfen. Sie schüttelte und bog sich. Vergebens. Sie krallte sich tiefer in den Boden, bis ihre Wurzeln verborgene Wasseradern erreichten. Diese Kraft aus der Tiefe und die Sonnenglut aus der Höhe machte sie zu einer königlichen Palme, die auch den Stein hochstemmen konnte. - Nach Jahren kam der Mann wieder, um sich an den Krüppelbaum zu erfreuen. Da senkte die kräftige Palme ihre Krone zeigte den Stein und sagte: "Ich muß dir danken, deine Last hat mich stark gemacht!"

Die Geschichte birgt gewiss viel Wahrheit. Viele haben es erfahren: Leid kann stärker machen.

Doch ich möchte auch vorsichtig sein mit dieser Geschichte. Denn wieviel Leid läßt keinen Sinn erkennen und zermürbt. Und dann darf kein Sinn hinein interpretiert werden. Manches bleibt ohne Antwort bis wir einmal bei Gott sind.

"Leidensbereitschaft" - Wenn es die Gabe ist, Leid das mir widerfährt, anzunehmen, so ist das bestimmt nicht eine Gabe, die jederzeit verfügbar ist. Schon allein weil bestimmt jede Auseinandersetzung mit Leid ein Geschehen ist, das seine Zeit braucht.

Zum Abschluß der Überlegungen möchte ich sagen: Die Bereitschaft zur gegebenen Zeit Leid anzunehmen, erwächst, so glaube ich, aus der Ahnung und der Gewißheit, in keinem Leid von Gott verlassen zu sein. Aus der Ahnung und Gewißheit, dass es kein Kreuz ohne Ostern gibt. Sind wir in Leid gestellt, so gehen wir auch einer Befreiung, einer Erlösung entgegen.

Jochen Klepper hat es mit den Worten ausgedrückt:

"In jeder Nacht die mich umfängt,
darf ich in deine Arme fallen
und du, der nichts als Liebe denkt,
wachst über mir, wacht über allen.
Du birgst mich in der Finsternis.
Dein Wort bleibt auch im Tod gewiss".

Amen.


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