Zurück zur Homepage   Schreiben Sie uns eine mail!  

 

Zurück zur Übersicht "Predigten"Pfr. Peter Fuchs, Christvesper am Heiligen Abend, 24. Dezember 2000; Lc 2,1-20

Zu Lukas 2,1-20 im Anschluss an ein Krippenspiel
Geburt in einem Stall

Liebe Gemeinde,
liebe Kinder und Erwachsene,

unser Herr und Gott, der liebe Gott, der Allmächtige, kommt zur Welt in einem Stall. Die Hirten - wir haben es im Krippenspiel erlebt - die haben sich nur gewundert. Uns ist es schon sehr vertraut geworden: Jesus , geboren in einem Stall.

Wahrscheinlich sind wir auch - allen Ernstes - ganz dankbar dafür , im Blick auf schöne Krippenbilder und schöne Krippendarstellungen mit Figuren. Der Stall ist etwas ganz Besonderes. Da ist Leben, da passiert etwas, mehr als in einem kleinen ärmlichen Hinterzimmer , für das Maria und Josef damals auch dankbar gewesen wären. Ort der Geburt Jesu wurde ein Stall in Bethlehem, und das ist uns vertraut geworden.

Aber halten wir doch einmal inne: Weshalb ein Stall? Weshalb wählt Gott für die Geburt seines Sohnes einen Stall?Er konnte das Geschick von Maria und Josef ja wohl lenken. Warum wählt Gott einen Stall?

Mir ist der Gedanke gekommen, dass Gott sich hier ganz und gar auf seine Erde einlässt. Er verbindet sich gerade hier ganz und gar mit seiner Kreatur. Das Leben im Stall spiegelt die ganze Schöpfung wieder, auch alles. was so zum Leben gehört.

In den vergangenen Tagen habe ich eine Frau gefragt, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, was für sie der Stall bedeutet hat, was sie da erlebt hat, was zu Stallarbeit gehört, welche Gefühle sie mit dem Stall verbindet.

Sie erzählte: "Ich erinnere mich, wenn die Tiere da waren, war es ganz warm und angenehm im Stall, ohne Tiere nicht mehr. Der Stall war für uns auch Spielplatz, wir haben uns gerne ins Stroh gesetzt. Der Stall verlangt viel Arbeit, immer da sein, von den Tieren viel wissen, sie gut beobachten, um gleich zu merken, falls eines krank wird; zur Arbeit im Stall gehört es unbedingt, die Tiere zu mögen. Ein Stall wird zweimal täglich ausgemistet - wenn man mit Stroh arbeitet. Und dann wird für die Tiere wieder frisches Stroh eingestreut." Da ist mir schon klarer geworden, wieviel Leben sich im Stall abspielt.

Manchmal stirbt ein Tier und viele sind ganz traurig . Ich habe mir erzählen lassen: "Das höchste Glück war es, wenn ein Kälbchen geboren wurde. Dem konnte man dann mutig den Finger in den Mund stecken, mit ihm spielen, es streicheln."

In einem Stall lauern auch Gefahren. Man muss gut aufpassen, dass man nicht von einem Tier einen kräftigen Tritt bekommt.

Also im Stall geschieht ganz viel, das auch sonst zu unserem Leben gehört. Der Stall ist wie eine kleine Welt für sich. An dem Ort, wo Jesus geboren wird, spiegelt sich schon die ganze Schöpfung wieder.

Nochmals kurz angedacht: Hätte Jesus vielleicht auch in einem ganz ärmlichen, kleinen Hinterzimmer geboren werden können? Vielleicht ja. Ein solcher Ort hätte auch seine Botschaft für uns bekommen. Die Vielfalt der Schöpfung allerdings wäre natürlich nicht da gewesen. Und: Eine Geburt in einem kleinen Hinterzimmer hätte wohl nie unser Herz so berühren können wie das Geschehen, das vom Stall erzählt wird.

Ehrlich gesagt, ich glaube, dass Gott uns das auch gönnt, auch zugedacht hat, dass die Geschichte von Bethlehem uns berührt, dass es etwas zu bestaunen gibt, etwas für die Sinne - übrigens ähnlich wie sonst auch bei unseren Sakramenten Abendmahl und Taufe.

Mit der Geburt Jesu in einem Stall bewegt Gott unser Herz: Ein Säugling, gewärmt von Atem und Körpertemperatur der Tiere, gebettet auf Stroh, spielende Kinder, ausgefallene Gäste. Dass es uns da warm ums Herz wird, das brauchen wir. Es gehört zum Reichtum unseres Lebens.

Vielleicht ist es sogar so, dass es uns Menschen Würde gibt, dass uns plötzlich etwas ganz nahe gehen kann. Das darf nicht fehlen, sonst wäre etwas in uns krank und wir bedürften der Heilung. Weihnachten - Balsam, gottgegeben, für unsere Seele.

Das schutzbedürftige Christuskind in einem Stall. Da wird es uns warm ums Herz. Jesus wird heranwachsen, er wird uns konfrontieren mit Fragen, Nachfolge und Courage fordern, Entschiedenheit für ihn. Das kommt. Es hat seine Zeit.

Ist uns das bewußt, dann darf es auch sein, dass uns sein Schicksal bei seiner Geburt rührt und dass uns die Erzählung von aufstrahlendem Licht und verwunderlichen Gratulanten beglückt. Da ist ein Glanz, den wir brauchen.

Das Verweilen bei diesem Glanz ist wie ein ruhiges Atmen, Durchatmen der Seele. Ergriffen vom Glanz des Stalles, berührt von Gottes Freundlichkeit werden wir zur rechten Zeit offen sein für Menschen in ihrer Not und Bedürftigkeit.

Offen etwa für den Schmerz eines älteren Menschen, der noch einmal umziehen mußte und dem es schwer fällt, den Lebensabend fern der vertrauten Heimat zu verbringen.

Wir werden offene Ohren haben für den Aufschrei Gefangener, etwa in türkischen Gefängnissen, von Mitmenschen, die bedroht sind, misshandelt zu werden.

Wir werden offene Augen haben für die Sorge im Gesicht eines Kindes, das sich wünscht, dass die Eltern wieder Frieden schließen.

Das aufstrahlende Licht vom Stall in Bethlehem gebe uns Zutrauen, dass wir uns zur rechten Zeit ganz auf das Leben einlassen können, auf Schmerz und Glück. Wir können es tun, weil Gott selbst dabei ist.

Der Stall von Bethlehem ist ein Ort, wo sichtbar wird, dass Gott sich ganz und gar auf seine Erde einlässt, mit ihren Tieren und Menschen, auf den Wechsel von Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit, Glück und Schmerz, Kälte und Wärme. Die Geburt Jesu, die Geburt des Christus, in einem Stall gibt uns Menschen in unserem Menschsein Würde.

Diese Geburt in einem Stall gibt uns Geschöpfen und Ebenbildern des Höchsten eine ungeahnte Würde. Da können wir uns schon glücklich schätzen und freuen.

Amen.


Zur Übersicht Predigten
Zum Seitenanfang.


© Copyright für Text und alle Bilder by Ev.-Luth. Kirchengemeinde Eisingen-Kist-Waldbrunn
Am Molkenbrünnlein 10, D-97249 Eisingen