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Der Kanon zur Jahreslosung 2003 (von Prof. Dr. Friedhelm Brusniak)

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Erläuterungen (von Prof. Dr. Friedhelm Brusniak)

Die Idee zu einem zweistimmigen Kanon mit einem Ostinato ad libitum entstand aus der Auseinandersetzung mit der Botschaft der Jahreslosung, wonach der Einsicht und Erkenntnis von der Begrenztheit menschlicher Wahrnehmung, die auf Äußerliches gerichtet ist, der Glaubenssatz gegenübergestellt wird, dass Gott das Herz des Menschen, seine Seele, ansieht. Als Christen dürfen wir Gott vertrauen, uns von ihm angenommen und geliebt fühlen: Gott ist die Liebe.

Solchen Gedanken folgt die Vertonung in ihrer architektonischen, räumlichen, zeitlichen und symbolischen Konzeption, bei der auch Zahlen eine wichtige Rolle spielen.

So findet sich die auf die Trinität verweisende "3" in der bildlichen Vorstellung eines Gottesdiensterlebnisses mit Gemeinde und Prediger, erfüllt von der Botschaft des Heiligen Geistes, in der Musik in der Dreistimmigkeit, im Dreivierteltakt und in der Dreiklangsbezogenheit. Mit der "Christus"- Zahl "5" wird die Aussage des fünftönigen Ostinato christologisch gedeutet.

Zwar können alle drei Melodiebögen "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist" - "der Herr aber sieht das Herz an" - "Gott ist die Liebe" für sich stehen, da sie jeweils mit dem Anfangston auch wieder schließen, doch beim gleichzeitigen Erklingen der beiden Texthälften der Jahreslosung und schließlich aller drei Textaussagen ergeben sich unerwartete neue Klangerlebnisse.

Während der erste Kanon- Melodiebogen in Moll gehalten ist, erklingt der zweite - in Gegenrichtung - in Dur, wobei die Terz "f" zum Grundton "d" als mittlerer Ton des d- Moll-Dreiklangs, als identitätsstiftendes "Herz", ebenfalls symbolhaft wirkt.

Die selbst gewählte und bewusst ad libitum einzusetzende Ostinato-Stimme dagegen "schwebt" geradezu über dem, was die Menschen und die Kirche bewegt, scheinbar frei, aber dennoch fest integriert, wie sich bei näherer Analyse offenbart. Denn der Anfangston "d" hat vielfältige Aufgaben. Er ist zwar dritter Ton eines g-Moll- Dreiklangs zum ersten Melodiebogen des Kanons, wird jedoch beim Zusammentreffen mit dem zweiten Melodiebogen plötzlich zur None eines auf den Grundton "c" aufbauenden Akkords und am Schluss völlig unerwartet Oktavton des Grundtons "d". Symbolisch trägt dieses anfangs als "Außenseiter"-Ton wahrgenommene "d" die "Wahrheit" in sich, jene zentrale Botschaft, dass Gottes Liebe allgegenwärtig ist und wir uns von ihm verstanden wissen dürfen.

Zur Aufführung: Kanonmelodie allein (gleich- oder gemischtstimmig), dann als Kanon (gleich- oder gemischtstimmig), schließlich mit Ostinato (aus klanglichen Gründen nur Kinder- und Frauenstimmen)

 


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