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Zur Kirchengeschichte der Orte Eisingen, Kist und Waldbrunn

Drei Orte:
Gemeinsame Wurzeln – Ähnliche Wege – Ein Ziel

von Erich Bender, Altbürgermeister von Eisingen

Nahe dem »Kalten Loch« bei Kist und beim Erbachshof konnten bandkeramische Siedlungsfunde geborgen werden. Südlich der neuen Philippuskirche stieß man beim Straßenbau auf schön verzierte Gefäßreste und Werkzeuge der »Rössener Kultur«. Jungsteinzeitliche Ackerbauern siedelten bereits vor 5000 Jahren in unserer engeren Heimat. Im letzten vorchristlichen Jahrhundert sicherten Kelten ihre Gehöfte und Kultstätten in Erdburgen; Erbachshof und Irtenberg erinnern daran.

Zu Beginn der Völkerwanderung wurden die Thüringer und Alemannen in unserem Gebiet seßhaft. Ortsnamen auf »-leben« und »-ingen« sind Beweis.

Etwa seit 500 n.Chr. drangen die Franken vom Rhein her in das Maingebiet vor. Sie ließen die Rechte der thüringischen Herzöge unbeschnitten, um sich mit deren Unterstützung die neu gewonnenen Gebiete zu sichern.

Im Verlauf der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts ordnete die fränkische Obrigkeit an, die Beisetzung der Verstorbenen habe auf neuen Ortsfriedhöfen in Reihen zu erfolgen, den "Reihengräberfeldern". Ein solches konnte 1966 in Eisingen am Müllersweg freigelegt werden.

Mit den Franken kam die erste Kunde von der christlichen Lehre in unsere Gegend. Wie weit man damals Christentum lebte, vermag niemand zu sagen. Die Festigung und weitere Verbreitung der christlichen Lehre bedurfte einer ordnenden und schützenden Hand. Nicht nur in Wahrnehmung dieser Aufgabe weitete der Mainzer Bischof (das Bistum Mainz bestand bereits um 600 n. Chr.) seinen Einflußbereich main- und tauberaufwärts bis Kist aus. Bis 1585 war Kist Grenzgemeinde des geistlichen Fürstbistums Mainz. Die seelsorgerische Zuweisung an Würzburg erfolgte erst 1656, als ein Schönborn die Bischofsstühle von Mainz und Würzburg innehatte.

Unsere Nachbargemeinden Höchberg und Waldbüttelbrunn feiern heuer 1250 Jahre ihrer urkundlichen Erwähnung bei der Neugründung des Andreasklosters, später St. Burkard in Würzburg im Jahre 748. Dort ist mit der »pfarhe Büttelbrunn« auch die »pfarhe Erpurgk« genannt.

Namhafte Historiker lokalisieren dieses frühe Kirchlein im unmittelbaren Bereich der Eisinger Nikolauskirche. Eine Urkunde vom Mai 1356 weist im Besitzstand des Klosters St. Burkard auch Kirche und Zehnt »Erpurgk« aus.

Die Grabungen 1993 in der Eisinger Nikolauskirche beweisen, daß um diese Zeit die gotische Vorgängerin des jetzigen Gotteshauses erbaut wurde. Es war die Pfarrkirche für Waldbrunn und Eisingen und in dem sie umgebenden Friedhof (ist der Beweis für eine Pfarrkirche) fanden die Verstorbenen aus beiden Orten ihr letzte Ruhestätte.

Seelsorgerisch betreut wurden beide Gemeinden durch das Kloster Oberzell, das für Waldbrunn auch Dorfherrschaft war. Eisingen unterstand fast 1000 Jahre den Äbten bzw. Stiftsherren von St. Burkard. Die Gerichtsbarkeit für beide Gemeinden oblag dem Centgericht Remlingen.

1869 wurde das baufällige Kister »Kirchlein« geschlossen. 10000 Gulden spendeten die Gebrüder Horn aus Roßbrunn als Grundstock für den Bau der heutigen Bartholomäus-Kirche. »Nach Schließung der alten Kirche hatten die Kister ein halbes Jahr lang keinen Gottesdienst, da der Caplan bis Mitte Mai in Eisingen pastorisierte, allwo der Pfarrer Herr Dr. Scholz nach Jerusalem gepilgert war« (Ebert: Chistesbrunno Kist S. 120).

Die Kister pilgerten zum Sonntagsgottesdienst nach Eisingen in die neuromanische Kirche mit Tilman Riemenschneiders Kruzifixus. Deren bereits erwähnte gotische Vorgängerin mußte 1831 ebenfalls wegen Baufälligkeit geschlossen werden und weil »sie kaum die Hälfte der zu ihrem Sprengel gehörenden Seelenzahl von Eisingen und Waldbrunn aufnehmen konnte«. Für den Eisinger Kirchenneubau ist eine bescheidene Spende von 150 Gulden eingegangen; Holzverkauf und Darlehen bildeten die Grundfinanzierung. Im Oktober 1838 konnte das Gotteshaus eingeweiht werden.

Dafür ermöglichte Pfarrer Henningers großherzige Stiftung die (Wieder-)Gründung der Pfarrei Eisingen durch kgl. Dekret, gegeben in Paris am 1.7.1857. Im daraufhin neu erbauten Pfarrhaus von Eisingen verhandelte der preußische General von Manteuffel vom 31. Juli bis 2. August 1866 mit den Abgesandten von Bayern, Hessen und Nassau über den Waffenstillstand im Deutschen Bruderkrieg, der besonders unserer Heimat oft Unerträgliches aufbürdete.

Auch Waldbrunn wurde dank der Henningerschen Stiftung eigene Pfarrei. Die 1707 in Waldbrunn gebaute Filialkirche mußte 1892 abgebrochen werden. Am 17. November 1890 erhielt die neugotische Norbertuskirche ihre Weihe. Deren Bau ermöglichte der Posthalter Heinrich Horn zu Roßbrunn mit einer Spende von 32.000 Mark. Dazu erbrachte eine Landeskollekte im Jahre 1888 den Betrag von 15.200 Mark.

Im Juni 1907 sorgte das »Ev. protestantische Konsistorium Bayreuth« für die kirchliche Betreuung der in unserer Gemeinde lebenden evangelischen Christen. Bei den Gemeindeverwaltungen fragte die Kirchenleitung an, zu welcher evangelischen Gemeinde die »Einpfarrung der hiesigen Protestanten« erfolgen solle. Vorgesehen waren Würzburg, Altertheim und für Waldbrunn auch Uettingen. Nach den Beschlüssen der Gemeindeverwaltungen von Eisingen und Waldbrunn solle dies dem »Wunsche der Betroffenen überlassen bleiben«.

In den Kister Protokollen findet sich kein entsprechender Beschluß, was folgern läßt, daß 1907 in Kist keine Evangelischen wohnten oder die dort lebenden Protestanten bereits Mitglieder der evangelischen Gemeinde Reichenberg waren.

1968 bis 1972 wurden in Eisingen im Bereich der frühmittelalterlichen und ebenfalls aufgegebenen Siedlung Mausenbach die ersten Gebäude des St. Josefs-Stifts errichtet. Frauen und Männer aus Kist, Eisingen und Waldbrunn leisten hier den Schwächsten unserer Gesellschaft Hilfe und Pflege.

1250 Jahre nach dem Bau des ersten Kirchleins in unserer engeren Heimat haben unsere evangelischen Mitchristen aus Kist, Eisingen und Waldbrunn ihr gemeinsames Ziel erreicht, die Einweihung ihrer Philippuskirche.

 

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Am Molkenbrünnlein 10, D-97249 Eisingen