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Rückblick auf die Chagall-Ausstellung, 14. - 29. Oktober 2000


42 Originallithografien von Marc Chagall zeigte die Wanderausstellung "Bilder zur Bibel", die im Oktober 2000 für zwei Wochen in der Philippuskirche zu Gast war. Die Mühe für die Kirchengemeinde war beträchtlich - doch sie hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.

Mehr als 2.500 Besucher lockten Chagalls Bilder und das Begleitprogramm nach Eisingen. Knapp die Hälfte davon waren Ausstellungsbesucher, die vor allem die verlängerten Öffnungszeiten am Donnerstag und die Sonntage für einen ausführlichen Rundgang nutzten.

Auch die verschiedenen Veranstaltungen rund um die Ausstellung erwiesen sich durchweg als echte Publikumsmagneten. Alleine 400 Schul- und Kindergartenkinder nahmen an dem Programm "Chagall - Der Maler mit dem Engel im Herzen" teil. Auch bei allen Gottesdiensten waren die verfügbaren Stühle bis auf den letzten Platz besetzt. Und das Abschlusskonzert mit der Erlanger Klezmer-Gruppe Fialke war mit 150 Besuchern ausverkauft.

Mehr als 20 Ehrenamtliche haben über einige Monate hinweg geplant, koordiniert und handfest angepackt, damit diese Ausstellung zu einem solchen Erfolg für die Kirchengemeinde werden konnte. Weitere 24 Gemeindeglieder opferten ihre freie Zeit, um die laufende Ausstellung und den reich sortierten Büchertisch zu betreuen.

Lohn der Mühe: Zahllose Begegnungen und intensive Gespräche mit Menschen, darunter viele, die ohne diese Ausstellung nicht den Weg in die Philippuskirche gefunden hätten. Auch für das ökumenische Miteinander mit den katholischen Nachbargemeinden bot die Ausstellung fruchtbaren Raum. Und für viele wurden Ausstellung und Begleitprogramm zur lebendigen (Wieder)Begegnung mit Menschen und Geschichten des Alten Testaments.

Begeisterte Einträge in das Gästebuch der Ausstellung machen uns Mut, (mit einigem zeitlichen Abstand!) weitere Kunst- und Kulturprojekte anzupacken.

Mit einiger Wehmut haben wir am 29. Oktober die Lithographien abgehängt und für den Weitertransport verpackt. Nach zwei Wochen der intensiven Auseinandersetzung erschien es uns, als würde dem Kirchenraum nun etwas fehlen. Aber wir wissen, dass Chagalls Bilder Spuren in Kirche und Gemeinde hinterlassen haben, die uns auf Dauer bleiben.

Einige markante Stationen der Ausstellung und des Begleitprogramms halten wir im Folgenden fest - für alle Beteiligten zur Erinnerung und für Kirchengemeinden, die die Ausstellung künftig beherbergen werden, zur Ermutigung und vielleicht Anregung.


14. Oktober 2000

Vernissage

Klaus Mangold, Kunsterzieher an einem Würzburger Gymnasium und selbst Maler, hat Chagall noch persönlich kennengelernt. Seine Einführung in die Biographie und das Werk Chagalls war daher von großer Intimität und der Lebendigkeit persönlichen Erlebens gekennzeichnet.


15. Oktober 2000

Festgottesdienst zur Eröffnung der Ausstellung mit dem Philippuschor und dem Posaunenchor

Mitglieder des Philippuschores hatten aus der Vielfalt der Lithografien von Marc Chagall diejenigen ausgesucht, die ihnen persönlich am wichtigsten waren, und dazu ihre Gedanken niedergeschrieben, die passenden Bibelstellen und ein Lied ausgesucht. Anstelle einer Predigt gab es Annäherungen und Rückerinnerungen an biblische Gestalten und Geschichten aus dem Alten Testament.


16. Oktober 2000

Chagalls Bilder zur Bibel. Eine kunsthistorische Einführung

 

Den Vortrag der Würzburger Kunsthistorikerin Dr. Verena Friedrich hatten wir mit Bedacht an den Anfang des Veranstaltungszyklus gestellt. Frau Dr. Friedrich erschloss uns nicht nur wichtige biographische Details zu Marc Chagall, sondern sie spannte elegant und eloquent einen weiten kunst- und kulturhistorischen Bogen. In der Gegenüberstellung mit Werken anderer zeitgenössischer Künstler wurden Einflüsse und Eigenständigkeiten Marc Chagalls sichtbar. In der Gegenüberstellung unterschiedlicher Ausführungen des gleichen Motivs (z.B. des Mose, der von Gott die Gesetzestafeln erhält) erlebten wir plastisch, wie Chagall auf der Basis eines zunächst stark figürlichen Grundentwurfs einen immer stärkeren Abstraktionsgrad erreicht - bis in der abgebildeten Lithographie vom Wirken Gottes nurmehr ein doppeltes gelbes Symbol übrig bleibt. Wir lernten die Entstehungsgeschichte der Bibelzyklen kennen - und dabei verstehen, warum die Auflagen der Lithographien so hoch und alle Blätter (von einer Sonderauflage abgesehen) grundsätzlich unsigniert sind.


19. Oktober 2000

Die Jerusalemer Fenster Chagalls

 

Chagall hat neben vielen anderen Techniken auch die Fensterglasmalerei angewandt und dabei keinerlei Scheu gezeigt, auch über die Grenzen des Judentums hinaus Sakralbauten auszustatten. Fenster christlicher Kirchen in Zürich oder Mainz sind nur einige Beispiele. Nach eigener Aussage wäre Chagall gerne bereit gewesen, auch für eine Moschee zu arbeiten, wenn man ihn darum gebeten hätte. Dr. Hans Gensch stellte in einem lebendigen Diavortrag die Jerusalemer Fenster vor, genauer: die Fenster der Synagoge des Hadassah-Hebrew University Medical Center in Jerusalem, deren Thema die zwölf Stämme Israels sind. Dabei verstand es Dr. Gensch geschickt, durch eingestreute Bilder aus dem heutigen Israel das Lebensumfeld dieser Stämme und durch die zugehörigen Bibelzitate die innere Symbolik der farbenprächtigen Fenster zum Sprechen zu bringen.

Den Vortrag im Original und mit allen Bildern können Sie hier nachlesen.


20. Oktober 2000

Chagall - Der Maler mit dem Engel im Herzen

An den Vormittagen fand in der Chagall-Ausstellung zwei Wochen lang für angemeldete Schulklassen und Kindergartengruppen ein spezielles Kinderprogramm statt. Die Kinder sangen und tanzten, suchten die Engel in Chagalls Bildern und, als krönender Höhepunkt: sie durften selbst einmal eine einfache Drucktechnik ausprobieren, nämlich die Monotypie. Mehr als 400 Kinder nahmen an diesem Programm begeistert teil. Ebenso viele zum Teil mehrfarbige Engelbilder sind entstanden. Viele Kinder brachten darauf hin bei einem weiteren Besuch auch ihre Eltern mit in die Ausstellung.

Auch für die Kinder, die nicht von der Schule oder vom Kindergarten aus die Ausstellung besuchten, war gesorgt: An einem Nachmittag wurde das Programm für alle interessierten Kinder mit ihren Eltern angeboten.


21. Oktober 2000

Musik zu Chagall. Das Lindenbach-Bläserquintett spielt Werke von Danzi, Taffanel, Farkas und Ligeti

Das Lindenbach-Bläserquintett

Irmgard Tutsch, Flöte
Joachim Eberhard, Oboe
Helmut Kennerknecht, Klarinette
Gerhard Teßmar, Horn
Martin Haardt, Fagott

Das Lindenbach-Bläserquintett entstand im Jahr 1975 aus Mitgliedern des Orchesters der Universität Stuttgart. Durch berufliche Veränderungen sind die Mitglieder des Quintetts inzwischen über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus verstreut, pflegen aber weiterhin ihre musikalische Zusammenarbeit und veranstalten regelmäßig Konzerte im süddeutschen Raum.

Anders als beim homogenen Klang eines Streicherensembles liegt der besondere Reiz des Bläserquintetts im Zusammenwirken der unterschiedlichen spielerischen Möglichkeiten und charakteristischen Klangfarben der mitwirkenden Instrumente. Dies zu vermitteln und dabei auch seltener gespielte Werke zur Aufführung zu bringen ist ein Anliegen des Lindenbach-Bläserquintetts.


24. Oktober 2000

Das Gottesbild bei Chagall

 

Aus seinem reichen Fundus an Seherfahrungen mit Marc Chagall schöpfte Pfarrer Dr. Jobst Lehmann mit seinem Vortrag über das Gottesbild bei Chagall. Wichtigste Kernaussage: Es ist keinesfalls zulässig, Chagall wegen der von ihm häufig dargestellten Kreuzigungsszenen für den christlichen Glauben zu reklamieren. Der (oft mit Attributen jüdischen Glaubenshandelns ausgestattete) Gekreuzigte ist für Chagall als verbreitetes und allgemein bekanntes Bildmotiv Symbol für das Leiden des geschundenen Judentums.


26. Oktober 2000

Frühstück bei Chagall (Eine Veranstaltung des Offenen Frauentreffs)

Literarisches und Persönliches von und über Marc Chagall las Eva Sohn-Fuchs an diesem Vormittag. Dazu gab es - wie es sich für ein Frauenfrühstück gehört - Kaffee, Tee, Kuchen und Brötchen. Und außerdem ganz junge Besucher der Ausstellung, die vom Kinderwagen aus, auf Mamas Arm oder schon selbständig auf allen Vieren die farbenfrohen Lithographien bestaunten ...


28. Oktober 2000

Klezmer und jiddische Lieder aus dem Schtetl

Fialke ist die neue Klezmer-Band von Monika Feil (von deren Namen sich auch der Name der Gruppe herleitet, denn Fialke ist jiddisch für - Veilchen).

Mit Joachim Pohl (Klarinette), Emuk Kungl (Akkordeon), Tomasz Radomski (Bass) und Monika Feil (Gesang, Geige) haben sich vier hochkarätige Musiker zusammengetan, denen es gelungen ist, auch in Eisingen das Publikum auf eine für diese Musik so charakteristische Reise zwischen ausgelassener Lebensfreude und melancholischer Innerlichkeit mitzunehmen.

Klezmermusik ist instrumentales Singen, ist orientiert am emotionalen Ausdruck der menschlichen Stimme. Der Klezmer, wie der Musiker im Jiddischen genannt wird, lacht, weint, seufzt, jammert und erzählt Geschichten - und sein Instrument ist sein Medium dabei. Auch die jiddischen Lieder erzählen Geschichten, Geschichten vom Alltag der Menschen, von Liebe und Schmerz, von Freude und vom Feiern.

Im Gegensatz zu den meisten Klezmer-Projekten in Deutschland, die Klezmer-Musik in einer Melange mit anderen Musikstilen (wie z.B. Jazz, Rock oder auch argentinischem Tango) interpretieren, legt Fialke Wert auf einen ursprünglichen, archaisierenden Klang. Fialke vermittelte den Zuhörern in Eisingen daher einen lebendigen Eindruck der Musik, wie sie Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Osteuropa auf Hochzeiten und anderen Festen zu hören war - und wie sie der jüdische Junge Marc Chagall aus Witebsk zweifellos gut gekannt hat.


29. Oktober 2000

Glaube in Bildern. Abschlussgottesdienst mit Dekan Dr. Günter Breitenbach

 

Den vollständigen Predigttext von Dekan Dr. Breitenbach können Sie hier nachlesen.


Und zum Abschluss: Einige Einträge aus dem Gästebuch der Ausstellung:


Ausführliche Bilddokumentation zur Ausstellung und zum Begleitprogramm in der Galerie.

Zum Nachlesen:

Marc Chagall - Glaube in Bildern - die Predigt von Dekan Dr. Breitenbach am Sonntag, 29. Oktober 2000

Die Jerusalemer Fenster Chagalls. Der Vortrag von Dr. Hans R. Gensch am 19. Oktober 2000.


Sie planen, die Ausstellung "Bilder zur Bibel" in Ihre Kirchengemeinde zu holen? Wir lassen Sie gerne an unseren Erfahrungen teilhaben. Schreiben Sie uns eine Mail.

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