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Abendmahl feiern mit Kindern? - „Auch wir sind eingeladen!“


Kinderglaube

 


Historischer Hintergrund
Jesus brach mit den Menschen, denen er begegnete, das Brot. Besonders mit denen, die niemand sonst am Tisch haben wollte, wie dem Zöllner. Zur Zeit Jesu war das gemeinsame Brotbrechen ein Zeichen der Verbundenheit untereinander, der Gemeinschaft. So auch das letzte Abendmahl, das an die Tradition des Passahmahles anknüpfte. Beim Passahfest spielt das jüngste Kind am Tisch eine besondere Rolle. In den frühen Gemeinden, bis zum 5. Jh. n. Chr., war es selbstverständlich, dass Kinder das Abendmahl empfingen. Kirchenvater Augustinus (354-430) bejahte die Kinderkommunion als heilsnotwendig. Die Taufe war das einzige Zulassungskriterium zur Teilnahme am Hl. Abendmahl und in den orthodoxen Kirchen ist das bis heute so geblieben.  An die Taufe schloss sich das Abendmahl an. Diejenigen, die an Ostern getauft worden waren, gingen eine Woche später, am „Weißen Sonntag“, in ihren weißen Taufgewändern (daher der Name), zum Abendmahl. Zunehmend wurden schon Kinder getauft. Auch sie nahmen danach am Abendmahl teil.
Anfrage: „Aber Kinder wissen nicht, was das Abendmahl bedeutet, sie können es doch dann auch nicht angemessen und würdig empfangen, oder?“
Erst im Mittelalter wuchs die Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Abendmahls: nichts Unwürdiges darf mit den Gnadengaben Gottes geschehen! So kam es 1215 dazu, dass man festlegte, es solle eine Vorbereitungszeit auf die Teilnahme am Abendmahl hinführen. Man legte dies in den Zeitraum zwischen 7 und 13 Jahren. Die Sakramentenlehre entwickelte sich: Taufe, Beichte, Abendmahl und Firmung wurden als getrennte Stationen des Glaubenslebens gefeiert.  Luther lehnte die Vorbereitungszeit und eine Firmung als „2. Eingangstor“ ab, er bestand darauf, dass die Taufe allein genügt. Nur Taufe und Abendmahl sind nach ihm Sakramente, da nur diese beiden auf Jesus selbst zurückgehen.


Martin Luther: „Es steht aber nichts im Wege, dass auch Kindern das Sakrament des Altars gegeben werden kann.“ (Tischreden I, 365,157)

Die eingeschobene Vorbereitungszeit mit der Abendmahlszulassung schmälerte die Bedeutung der Taufe. Denn eigentlich begründet allein die Taufe die Mitgliedschaft in einer Gemeinde und somit die Teilnahme an allem, was zum Gemeindeleben gehört.  Doch auch die verstärkte Bedeutung von Unterricht und Schulwesen trug dazu bei,  dass sich in der evangelischen Kirche im 18. Jahrhundert die Konfirmation durchsetzte. Im Anschluss daran wurde das Abendmahl gefeiert. So verknüpften sich erst vor ca. 200 Jahren Konfirmation und Abendmahl.
Das Abendmahl hat 4 Aspekte:

In den 1970er Jahren verlagerte sich in der Theologie das Abendmahlsverständnis vom Schwerpunkt auf die Vergebung der Sünden hin zum Aspekt der Gemeinschaft. Das Bewusstsein, dass von der Gemeinschaft am Tisch des Herrn nun aber eine ganze Gruppe von Gemeindegliedern ausgeschlossen ist, schärfte sich. Daraus entwickelte sich logischer Weise die Empfehlung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland, in der bereits  1977 eine Ermutigung zur  Einladung der Kinder zum Abendmahl ausgesprochen wurde. Seitdem wurden in den meisten Gemeinden, auch hier im Dekanat Würzburg, Kinder zum Abendmahl eingeladen. 1993 ergab eine Umfrage, dass v.a. im städtischen Bereich die Kinder eingeladen waren. Die Landessynode der bayerischen Landeskirche hat im Jahr 2000 nochmals allen Gemeinden ausdrücklich empfohlen, die Kinder am Abendmahl teilnehmen zu lassen. Dieser Anregung folgten nochmal viele Gemeinden.  Natürlich entscheiden aber letztlich die Eltern, ob ihr Kind teilnimmt oder gesegnet wird.
Anfrage: „Kinder sollten aber auf die Teilnahme am Abendmahl warten, damit sie wissen, dass es etwas Besonderes ist, oder?“


Jesus spricht: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“         (Mk 10,14f)

In der Pädagogik weiß man, dass Erfahrungen, die ein Kind möglichst früh macht, das ganze Leben prägen können. In den ersten Lebensjahren begründen diese Prägungen die Beziehungen und das Gefühl von Sicherheit in der Lebensgestaltung. Dies kann dann in späteren Jahren durchs Leben mit seinen Höhen und Tiefen tragen. Das Abendmahl, die Erfahrung, am Tisch des Herrn willkommen zu sein, als Teil der Gemeinschaft ernst genommen zu werden und zum „Leib mit den vielen Gliedern“ dazuzugehören, vermittelt das Gefühl von Heimat und Bindung. Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahren lassen sich selbstverständlicher, unverkrampfter, offener auf das Verstehen und die Feier des Abendmahls ein. Sie spüren etwas von dem „Geheimnis des Glaubens“. Lernen erfolgt nicht nur mit dem Kopf, sondern gerade  auch mit dem Herzen: „Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist!“ heißt es darum auch in der Liturgie, und dieser Satz legt auch für uns Erwachsene das Gewicht auf die Erfahrung. Wenn Kinder ausgeschlossen sind, erfahren sie: „Ich bin zu klein!“, „Ich verstehe das noch nicht!“, „Ich gehöre nicht so dazu wie die Großen!“. Als Konfirmanden werden sie dann  in einer Altersphase, in der sie stärker auf Abgrenzung und Ablösung von der Lebenswelt der Erwachsenen um sie herum gepolt sind, zum ersten und für lange Zeit in der Regel zum einzigen Mal am Abendmahl teilnehmen. Kommt dann noch die Erfahrung dazu, dass „man sogar noch angemotzt wird“ (Zitat einer Konfirmandin), weil man aufgrund der hohen Anspannung gekichert und die nötige Ernsthaftigkeit hat vermissen lassen, wird das Herz der Jugendlichen erst recht nicht erreicht.
Anfrage: „Was bedeutet dann die Konfirmation? Ist die dann überflüssig?“
Nein, die Konfirmation (lat. confirmare = bestätigen, bekräftigen) wird in ihrer eigentlichen Bedeutung, nämlich der Bestätigung der Taufe, ernst genommen und das „Ja“ zur Kirche  und die Segnung der Jugendlichen rücken somit in den verdienten Vordergrund der Konfirmation.  Das Abendmahl, an dem die Jugendlichen nun im Laufe ihres Lebens oder spätestens im Laufe der Konfirmandenjahres immer wieder teilgenommen haben, wird nun zu einem festlichen Zeichen der Gemeinschaft. Sie sind nicht nervös vor der Teilnahme, da sie eingeübt sind, und können so den Aspekt der Gemeinschaft und der Stärkung besser empfinden.
Fazit: Das Abendmahl ist ein Freudenmahl, eine Feier der Verbindung mit dem Auferstandenen, eine Feier des Lebens und der Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Jesus ist darin spürbar, „mitten unter uns“, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind und gemeinsam Brot brechen und Wein trinken.  In dieser Gemeinschaft heißt Jesus selbst uns willkommen, und er lässt alle zu sich kommen.


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